Freiraum

DIE VISION:

Wir wollen Raum für eine alternative Lebensweise bilden, für uns selbst und andere. Raum, in dem ein starkes soziales Miteinander möglich sein kann. Raum, in dem Kinder sich frei bewegen können. Raum für Kunst und Kultur. Zentraler Beschluss des Vereins ist: Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit, Gemeinschaftlichkeit und lebenslanges Lernen zu stärken und zu leben.

Freiraum markiert für uns die Schnittstelle zwischen Privatheit und Öffentlichem Leben. Raum für individuelle Entfaltung und daheraus die Freude an gemeinschaftlicher Zusammen-setzung (anstelle von Auseinander-setzung). In jedem Fall ein Experiment.

Auf dem Freiraum haben sich einige öffentliche Angebote etabliert, wie die Offenen Werkstätten, das Barbarium, der Tauschladen und die Freiraum-Ladengalerie DER ARARAT. Ihr seid herzlich eingeladen, diese zu nutzen und uns zu besuchen. Hin und wieder veranstalten wir Bauwochenenden, andere Veranstaltungen wie Vorträge, Workshops und eben unsere beiden Jahreszeitenfeste: das Frühlings- und das Herbstfest. Die jeweiligen Termine findet Ihr in diesem blog bzw. im Buschfunk.

DAS GELÄNDE:

erstreckt sich zwischen Leipziger Straße 33 und Elbe. Auf dem Grundstück befinden sich Freibereiche, kleine und große Gebäude, Gärten, Werkstätten und unser Vereinsbüro. Manche Bereiche und Räume/Ateliers sind individuell genutzt und damit Privatbereich, der nur bedingt und unter Berücksichtigung der Privatsphäre der Nutzer betretbar ist. Große Bereiche werden jedoch gemeinschaftlich von uns genutzt und stehen auch jeder/m sonst zur Verfügung.

Wir möchten unsere Erfahrungen teilen, Gelerntes weitergeben und auch selber immer wieder dazulernen.

Wer Räumlichkeiten nutzen möchte oder andere Fragen an uns hat; wer etwas zu verschenken, zu spenden oder anzubieten hat, wende sich bitte an:    freiraumelbtal@live.de.

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vom Wohnraum zum Lebensraum

mit Freiräumen

Jacqueline Muth, 9.11.2010
Teil des Vortrags „Wohnwelten versus Lebensraum – Leben und Schaffen in Gemeinschaft“

Was ist Wohnraum?
Wohnraum ist ein Teil des Lebensraums.
Er ist Behausung, dient dem Schutz der Person vor äußeren Einflüssen, befriedigt das individuelle Bedürfnis nach Ruhe und Privatheit. Er ist der Ort, an dem ich keine Kompromisse eingehen muss mit meiner Mitwelt, mich so einrichte, wie es genau meinen Bedürfnissen und Neigungen entspricht.

Was ist Lebensraum?
Oder: was will ich in meinem Lebensraum vorfinden, damit ich nicht daraus flüchten muss ? (die Aufzählung ist entstanden in einer Umfrage zur Vorbereitung dieses Vortrags):
einen (mir) bedeutungsvollen Platz, Ort
räumliche Verdichtung von Wohnen, Kultur und Natur
einen Ort für individuelle Tätigkeit
Ort für Gelderwerb, Versorgt-sein
mit Rückzugsort für Privatheit / Schutzraum
Natur
Leben mit Tieren
Leben in ununterbrochenen Kreisläufen
Bildung und Herausforderung zur persönlichen Weiterentwicklung
Geselligkeit und Austausch mit meinen Mitmenschen

Diese Liste lässt sich beliebig erweitern, denn jede Person wünscht sich etwas anderes in ihrer unmittelbaren Umgebung, das sie als Teil von ganz persönlicher  Lebensqualität empfindet.

Manche oder viele Qualitäten des Lebensraums sind zu Erfordernissen des persönlichen Wohnraums geworden: wie das Bedürfnis nach Natur (Zimmerpflanzen, Balkon, Gärtchen am Haus, Haus im Grünen), das Bedürfnis nach (Haus-)Tieren, Bildung und Information (Fernsehen, Internet, Selbststudium), nach Geselligkeit und Austausch (gesellige Abende, Wohnen in Gemeinschaft oder WG, auch über Internet), Entertainment (Fernsehen, Zeitschriften).
Der IKEA-Werbeslogan „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ spielt darauf an und meint gleichzeitig doch wieder ausschließlich die Gestaltung des ganz persönlichen Wohnraums, der durch immer neue (industrielle) Produkte eine scheinbare Individualisierung erfährt.
Fernsehen und Radio sind Auge und Ohr in die Welt an meinem privaten Rückzugsort.
Das Internet bietet ein Mehr an Interaktion mit dieser Welt “da draußen”, mit der ich mich kaum verbunden fühle. In Foren, über Email etc. tausche ich mich mit anderen Menschen aus; ich hole ganz individuelle Informationen und Bildungsinhalte in mein Wohnzimmer.
Partnerbörsen ermöglichen mir den Kontakt zu ebenso einsamen wie bindungswilligen Individuen wie mir – ohne dass ich mein Haus dafür verlassen muss. Aus Erfahrung im Bekanntenkreis weiß ich, dass dieser Weg der Partnersuche immer häufiger gewählt wird und zum Ziel führt. Egal, ob die betreffende Person 16, 45 oder 65 Jahre alt ist.

Der Wohnraum wird zum privaten Lebensraum, der jedoch nicht alle Anforderungen und Wünsche angemessen erfüllen kann, zum Konsumrausch führt und zur Kompensationen von empfundenen Defiziten (Gemeinschaftlichkeit, Natur, Bildung, Gestaltung der Lebensumgebung) und zur noch stärkeren Abgrenzung.
Ist das digitale Kaminfeuer auf dem Fernsehbildschirm in der Lage, ein echtes Lagerfeuer zu ersetzten?

Gleichzeitig bedarf es gesellschaftlicher Interaktion. Besonders in der Stadt, wo ständig gemeinschaftliche Entscheidungen erforderlich sind: öffentliche Bereiche wollen strukturiert, betrieben und gepflegt werden. Straßen – von jedem/r benutzt – gebaut, gereinigt und repariert werden. Ebenso öffentliche Verkehrsmittel, öffentliche Papierkörbe, die Verwaltung einer Stadt als gemeinschaftlichem Gebilde.

Der öffentliche Bereich wird als normiert empfunden, in dem das Individuum kaum Gelegenheit zur Entfaltung seiner eigenen Gestalt sieht oder nur in vorgegebenen Bereichen (Freizeitangebote, Hobby, Jobangebote),
darum gibt es Entscheidungen über gesellschaftliche/gemeinschaftliche Belange ab an Politiker, Institutionen und Behörden. …die dann wieder Normen definieren, mit denen sich das Individuum identifizieren kann oder aber sie ablehnen.
Und gestaltet sich seinen privaten Bereich – seinen Wohnraum – im Gegenzug so, wie er seiner/ihrer individuellen Natur entspricht.

Das Leben ist mehr als die Entscheidung zwischen Normen. Das Leben und der  Lebensraum basieren auf der kreativen Gestaltung durch das Individuum.
Die kreative Kraft des Individuums ist zu mehr in der Lage als zum Ausführen eines Hobbys und zur Gestaltung des individuellen Wohnraums oder zur Freizeitgestaltung.

Jedem Menschen wohnt eine Individualität inne, die sich in ihrer Vielfalt  höchstens ungenügend mit Normen – wenn auch zahlreichen – erfassen lassen kann.
Jeder Mensch hat Bedürfnisse und verfolgt Interessen, die in der jeweiligen Ausprägung einzigartig sind und sich unmöglich als Eigenschaften eines „Otto Normalverbrauchers“ vereinheitlichen lassen.
Die Gestaltung des eigenen Lebens obliegt der eigenen Kreativität des Individuums.
Die Freiheit, diese eigene Kreativität zu mobilisieren in persönlichen Entscheidungsprozessen anstatt auf vorgefertigte Standards und Normen zurückzugreifen, verblasst zusehens. Kein Wunder bei all den (vorgefertigten) Angeboten.
Darum erachten wir vom Freiraum Elbtal e.V. es als notwendig, Freiräume zu definieren, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie nicht vorgefertigt sind.

FREIRAUM ist ein Experiment, in dem die Entfaltung der individuellen Kreativität ergebnis-offen stattfinden kann.
Ein Raum für individuelle und gesellschaftliche Innovation, in einem kleinen Testfeld experimentell ermittelt und versucht.
Er ist auch ein Schutzraum, in dem individuelle Entfaltung, das individuelle und gemeinschaftliche Experiment stattfinden kann ohne Normen.

Ohne Normen heißt nicht ohne Regeln !
Normen gehen aus Regeln hervor: sie geben vor, wie die Menschen beschaffen sein müssen oder sich verhalten müssen, um den bestehenden Regeln genügen zu können.
Regeln an sich ordnen das gemeinschaftliche Leben von Menschen. An dieser Stelle sage ich: lasst uns lieber die Regeln an die sich verändernden Menschen  anpassen, als die Menschen an bestehende Regeln.
Dass sich jede/r hin und wieder mit unbequemen Regeln arrangieren muss, ist logisch. Wäre es nicht so, bestünde kein Anlass zu einer solchen Regel (weil ja dann das Gemeinwohl nicht mit persönlichen Freiheiten konkurieren würde).
Dies heißt jedoch nicht, dass sich mein ganzes Handeln daran orientieren muss, was gesellschaftlich erlaubt oder verboten ist. Mut zur Kreativität !
Oder wie ein mir befreundeter Anwalt sagt: „In Deutschland ist alles erlaubt, was nicht verboten ist.“
Hinzu kommt, dass Regeln hin und wieder überaltern und dann abgeschafft, erneuert oder verändert werden müssen.

Aus dem privaten Lebensraum soll wieder der Lebensraum aller Menschen in unserer Gesellschaft – unserer Gemeinschaft von Menschen – hervorgehen. Ein Lebensraum, der individuelle Ausprägung und Nutzung zulässt, auch Privatheit zulässt und schützt, ohne jedoch durch diese ersetzt zu werden.
Aus dem (in seiner Funktion ausgedehnten) Wohnraum, der einer genormten Öffentlichkeit gegenübersteht, soll wieder ein Lebensraum werden, aus dem die Gesellschaft hervorgeht.

Der Freiraum

bildet somit eine Schnittstelle anstelle der Lücke zwischen Privatheit und einer gemeinschaftlichen Öffentlichkeit.
Die Stelle, an der sich die Individualität eines jeden Menschen entfaltet zugunsten eines gemeinschaftlichen Lebensraums, der dem/der Einzelnen gerecht wird.

4 thoughts on “Freiraum”

  1. Liebe Yaki das sind ja tolle Links, wir werden jetzt mal richtig anfangen die Seite auszubauen… Gruß und Dank, Lothar&Fabian

  2. freiraum heißt auch raum für freiheit.
    freiheit wozu?
    freiheit wovon?

    freiheit gestalten, freiheit verwalten.

    gemeinsam freiheit nutzen. oder allein.
    freiheit genießen.

    und wenn die freiheit so alltäglich geworden ist, dass man sie nicht mehr als freiheit von der un-freiheit unterscheidet, wenn also der begriff freiheit gar nicht mehr existiert – was fangen wir dann mit all der freiheit an? das heißt auch: was fangen wir JETZT mit all der freiheit an, da sie noch als von der un-freiheit verschieden wahrgenommen werden kann?

    dazu ein anregender text zum begriff der sozialen plastik, wie beuys ihn definiert hat, wie er kultiviert werden könnte und wird, solange die freiheit uns noch als freiheit wahrnehmbar ist und darüber hinaus:

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    http://www.beuys.org/soziale-plastik.htm

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    Joseph BeuysSoziale Plastik

    Beuys gab entscheidende Anregungen zur Neugestaltung des kulturellen und sozialen Lebens sowie der Wirtschaft. Für Beuys geht es in der Kunst nicht um ein Spezialistentum der Berufskünstler durch Dekoration und Unterhaltung durch Artefakte, sondern um die Gestaltung des Weltzusammenhanges, der alle heutigen Fragen aufgreift und bearbeitet. Material der Gestaltung sind die Gesellschaftsfelder selber: Wirtschaft, Kultur und Recht und deren Konkretionen die durch jeden einzelnen zu ergreifen sind. Seine Aussage ” Jeder Mensch ist ein Künstler” wird zur Möglichkeit und Aufforderung für jeden Menschen sich seiner gestalterischen Potenz bewußt zu werden und entsprechend zu handeln. Damit nimmt er den Anspruch von Kant wieder auf. Der Mensch solle aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit durch Erkenntnisbestrebung ausbrechen. Anders aber als bei Kant der nur der Ratio Legitimation zuspricht, knüpft Beuys bei der Anthroposophie Rudolph Steiners an und verkündet, dass die Intuition die Leitlinie des Gestaltens sein solle.

    Mit seiner Gründung der >Freien Internationalen UniversitätSkulptur für die ZukunftSoziale Plastik<.
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