Transition Town

Da wir in einigen Beiträgen das Schlagwort “Transition Town” unerklärt benutzen und uns ausdrücklich dieser Bewegung nahe stehend fühlen, wollen wir hier ein paar Worte dazu schreiben.

Im Großen und Ganzen handelt es sich bei Transition Town um eine 2006 in England begründete Bewegung, die es sich zum Ziel gemacht hat, Strategien zu entwickeln, um die menschliche Gesellschaft möglichst schad-arm aus dem Erdöl-Wohlstand in die Post-Erdöl-Gesellschaft zu geleiten. Der oft zitierte “Peak Oil” markiert dabei das Maximum der weltweiten Fördermenge an (billigem) Erdöl. Da dieser Zeitpunkt der natürlichen Stagnation des Erdöl-Nachschubs schwer zu ermitteln ist und auch politische sowie psychologische Beweggründe eine Rolle spielen, wird und wurde viel darüber gestritten, ob und wann dieses Erdöl-Förder-Maximum erreicht sein wird (jetzt schon/ in kurze Zeit/ in ferner Zukunft/ nie). Als unstrittig mag man jedoch zumindest folgende Fakten bezeichnen:

+ die Benzin-Preise klettern nach kurzem Innehalten (Grund: weltweite Finanzkrise) wieder enorm und unumkehrbar; neue “Strategien” wie Biodiesel oder E10-Benzin werden auf den Markt geschüttet, wo vorher ein Umdenken der Kraftstoff-Konzerne undenkbar war (auch dies ist übrigens kein Umdenken, eher eine Reaktion auf steigende Erdöl-Preise)

+ irrsinnige Erdöl-Gewinnungs-Methoden wie das Auswaschen von Öl aus Ölsanden werden in Betracht gezogen (diese Methode erfordert angeblich fast  den gleichen Energieaufwand zur Gewinnung des Öls wie die Energie, die das gewonnene Öl freigibt -> ??)

+ mittlerweile scheuen selbst Politiker sich nicht mehr, den “Peak Oil” als Tatsache zu akzeptieren anstatt (wie noch in jüngster Vergangenheit) die Anhänger “dieser Idee” als Spinner zu übergehen

Mehr Informationen dazu findet Ihr im Transition-Town-Leitfaden “Das Energiewende-Handbuch” von Rob Hopkins. Dieses Buch ist in jedem Fall zu empfehlen, denn es bietet einen sowohl theoretischen als auch sehr praktischen Einblick in die Idee der Bewegung. Ihr könnt auch auf dem Freiraum danach fragen, wir haben es da zum Reinschauen.

“Transition” heißt “Übergang”. Wenn das Erdöl ernsthaft knapp wird, reicht es bei weitem nicht mehr aus, aufs Autofahren mit Sprit zu verzichten (selbst das fällt ja vielen schon schwer). Plastik, Farben, (Kau-)Gummi – alles aus Erdöl. Noch dazu werden die Groß-Industrien wesentlich länger brauchen, um auf Alternativen umschwenken zu können (Erdöl=viel kompakte Energie) als Kleinverbraucher, die z.T. schon jetzt auf Grund ihres ökologischen Gewissens umdenken.

Für Anhänger alternativer Gemeinschaftsformen und Umwelt-Aktivisten unterschiedlicher Radikalität mag das Programm von Transition-Town traumhaft klingen, der äußere Druck durch die schwindende Ressource wie ein Segen, der das Erhoffte unumgänglich macht: Regionalität, genügsames Leben, Selbstversorgung, Wind-/Wasser-/Sonnenenergie in Maßen, Nachhaltigkeit. Es darf dabei jedoch nicht vergessen werden, dass selbst wir – die wir uns als ökologisch und sozial fortgeschritten empfinden – uns in einem Gefüge befinden. Ob wir nun doch erkennen müssen, dass wir einen gewissen Lebensstandard all zu selbstverständlich als gegeben hinnehmen oder ob wir akzeptieren müssen, dass wir an unseren einsiedlerischen Umgangsformen feilen müssen – das mag individuell verschieden sein. In jedem Fall bedeutet es eine Herausforderung für fast jede/n von uns.

Ganz ursprünglich überschnitten und überschneiden sich unsere Wünsche für eine lebenswerte Zukunft mit denen der Transition-Town-Bewegung: kurze Wege zugunsten von Natur, Mensch und Tier; intakte Kreisläufe; Wiederverwertung von Materialien statt Wegwerf-Mentalität; Entschleunigung und mehr Freundlichkeit in der Gesellschaft; Mit-einander statt Gegen-einander und Konkurrenz; dem Handwerk mehr Beachtung schenken; das Unverständliche hinterfragen.

Transition Town setzt diesen Visionen jedoch noch vier Ausrufezeichen hintenan und tippt mit dem imaginären Finger auf die Uhr: Wir haben gar keine andere Chance, als umzudenken. Und zwar schnellst möglich, also jetzt. Wenn die Krise erst überdeutlich zutage tritt, bleibt keine Zeit mehr, die Strategien abzuwägen. Werden wir dann soweit sein, miteinander zu handeln statt uns gegenseitig den Krieg zu erklären im Kampf um das Öl?

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sich Anfang 2011 die Gruppe “Dresden im Wandel” gegründet hat, die im Sinne der Transition-Town-Bewegung Vernetzung zwischen Initiativen und Aufklärung betreibt.

Auch im Internet ist einiges zu finden zu Transition-Town / Stadt-im-Wandel. Bitte informiert Euch.

Herzlich. Die Freiräumler.

jm

Leipziger Straße 33A 01097 Dresden, Nähe Puschkinplatz

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