Umzug der Kultur auf den Marktplatz

Der folgende Artikel entstand als Antwort auf einen Kommentar, den Alexander auf der Homepage des Freiraums hinterließ. Lest hier den Briefwechsel, der – wie ich finde – doch zu weitgreifend ist, um ihn in der Schublade verschwinden zu lassen.
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email von Alexander an den Freiraum e.V. am 01.09.2010 auf 15:50

Liebe Freunde,

ich empfehle das Areal mit etwas Abstand zu betrachten. Es handelt sich um eine verdrecktes, von bröckelnder Altbausubstanz durchzogenes Gebiet.

Wer sich Esel halten möchte, soll auf’s Land ziehen. Dresden ist eine Stadt, eine sehr schöne Stadt mit ein paar verdreckten Ecken, wie z.B. das Eselgebiet. Es wird Zeit das hier etwas neues entsteht.

Dresdner Bürger haben oftmals Angst vor Neuem. Sie sind sehr eingebildet auf Ihre Stadt. Lasst uns nicht den Anschluss verpassen!!

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ANTWORT VOM FREIRAUM

16.09.2010 auf 14:49 | In reply to Alexander.

lieber alexander, lieber freund.

eine sache mit abstand zu betrachten, muss nicht zwangsläufig bedeuten, sie mit weniger liebevollen augen zu sehen.
möglichkeiten und potentiale entfalten sich im besten falle dort, wo sie entstehen.
sicher wäre es eine interessante und für dresden bereichernde initiative, unser vereins-projekt in einem gebäude wie der gläsernen manufaktur anzusiedeln. ich vermute jedoch einige schwierigkeiten, die dresdner regierung und den vorstand des VW-werks für diese idee zu begeistern. im allgemeinen sehe ich das mangelnde verständnis dafür, dass zukunftsorientiertes umdenken und visionieren unabhängig von kommerziellen und technoiden interessen stattfinden muss. Ihnen ist sicher bekannt, dass gelder für die pflege von sozialen und bürger-initiierten aktivitäten seit jahren schon gekürzt, gestrichen und vorenthalten werden. solange sich dies nicht ändert, werden entsprechende initiativen in den „dreckecken“ dresdens zu finden sein und leider nicht auf dem marktplatz, wo sie vielleicht besser untergebracht wären.
eine möglichkeit der verbesserung dieses zustands wäre die finanzielle subventionierung aus der industrie, da der staat eben kein geld mehr hat, wie wir alle wissen. für entsprechende hinweise in dieser oder ähnlicher hinsicht wären Ihnen eine menge aktiver leute dankbar, die die welt verbessern wollen und dafür alles potential und geld mobilisieren, das sie aufbringen können.

kleine korrektur: bei „unserem“ gelände handelt es sich nicht um das eselsnest, das sich ca. 200m elbabwärts befindet. ob die tier dort artgerecht behandelt werden, kann ich nicht beurteilen. die tiere wirken auf mich gesund und ausgeglichen. darüberhinaus bietet das elselsnest seit jahren schon ein reiches angebot an aktivitäten für kinder und eltern, die sich gern in inspirierender und menschen- sowie tierfreundlicher umgebung aufhalten und engagieren.

die ziele und projekte des freiraum elbtal e.V. richten sich aus auf die gemeinschaftliche nutzung von selbst-organisierten werkstätten, pflege von gemeinschaftlichen strukturen und lebensformen, die bereitstellung und nutzung von räumen für zukunftsorientierte/visionäre diskussionen, lehr- und lernformen.
darüberhinaus renaturieren und resozialisieren wir eine ehemalige industriebrache. wir propagieren die umnutzung des bereits vorhandenen gebäudepotentials als alternative zu kostenintesivem abriss und einer neubebauung, die nicht zwangsläufig zu fortschritt und einer lebenswürdigen zukunft führen müssen. dafür gibt es genügend beispiele.
umbau und der wille zum fortschritt müssen zuerst in den köpfen der menschen/ dresdner bürger entstehen, bevor entsprechende pläne auf dem reissbrett dies leisten können.
für dieses umdenken und „besser“-denken setzen wir uns sehr ein und möchten unseren beitrag dazu leisten, dass künftige neu- und umbauten in dresden diesem wunsch nach einer lebenswerten zukunft gerecht werden.

ich danke Ihnen sehr für Ihren kommentar und laden Sie herzlich ein, zu unserem aktions- und infotag am 22.oktober zu kommen. das programm dazu finden Sie in kürze auf unsere homepage. dort wird gelegenheit sein, uns gemeinsam über eine lebenswerte zukunft und den weg dorthin auseinanderzusetzen.

jacqueline muth vom freiraum elbtal e.V.

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Ein Kommentar zu “Umzug der Kultur auf den Marktplatz”

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