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DER Offene Brief

Sehr geehrte Erbengemeinschaft Grumbt, sehr geehrte Frau Töberich.

Im Auftrag von (ja – von wem eigentlich?) wurde das Gericht angewiesen, den Freiraum Elbtal am 27.2. um 8:00 zu räumen.

Noch immer ist dem Verein und seinen Mitgliedern nicht klar, wer gegenwärtig der Eigentümer des Grundstücks ist.

Seit September 2013 liegen uns die Namen und Adressen der Grumbt’schen Erbengemeinschaft vor, den ehemaligen oder Noch-Eigentümern. Seither erhielten Sie regelmäßig Briefe von uns mit Informationen zu unserem Projekt und der Bitte um Gespräche. Auch haben wir immer wieder auf die Immobilien-Situation in Dresden hingewiesen, die es Kulturprojekten wie unserem sehr schwer macht, Räumlichkeiten und Grundstücke zu erwerben oder zu mieten. Dresden wächst und gedeiht, die Grundstückspreise sind rapide gestiegen. Es entstehen Wohnhäuser und Einkaufstempel. Nur für ehrenamtliche (Kultur)Projekte gibt es in dieser Stadt immer weniger Platz.

Leider erhielten wir auf unsere Briefe nie eine Antwort. Stattdessen wurden wir von Ihnen verklagt. Ihr Anwalt verhöhnte unsere Schreiben und forderte uns sogar mehrfach auf, derlei „Bettelbriefe“ zu unterlassen.

Nach wie vor ist der Freiraum Elbtal e.V. unermüdlich auf der Suche nach einem geeigneten Ausweichobjekt, in und auf dem er seine gemeinnützige Tätigkeit fortführen kann.

Wir brauchen einen Ort, an dem ein Wagenplatz existieren kann, auf dem wir Werkstätten und Ateliers nutzen und zur Verfügung stellen können. Auf dem wir mit unseren kleinen und großen Gästen gärtnern, musizieren, werkeln, lachen und in Gesellschaft Zeit verbringen können. An dem wir als Künstler, Kunsthandwerker und Erfinder unserer Tätigkeit nachgehen, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen und gleichzeitig Workshops und Werkstattage anbieten zu können.

Eine lebenswerte, gesunde Umwelt ist uns wichtig. Die Möglichkeit, sich selbst immer wieder neu zu erfinden und die Möglichkeit, sich als Teil einer Gemeinschaft zu empfinden, die oft mehr erreicht, als jede und jeder alleine.

Und das hat der Freiraum Elbtal e.V. jahrelang geschafft: Mit Recycling, Upcycling, viel Improvisation, ohne Honorar und immer gemeinschaftlich selbst-verwaltet. Dafür haben wir nie öffentliche Fördermittel beansprucht, alles in Eigenleistung gemeistert.

Dieser Ort war für uns bisher die Leipziger Straße 33a. Eine Ruine, die zehn Jahre lang brach und vermüllt lag. Hier haben wir uns den Freiraum Elbtal aufgebaut. Davon haben in den vergangenen Jahren tausende Dresdner_innen profitiert. Viele persönliche Erlebnisse und gemeinschaftliche Projekte sind hier entstanden, prägten den Ort und prägen alle, die daran beteiligt waren.

Soll das nun das Ende sein?

Wie wir und auch die Öffentlichkeit wissen, sind die Pläne für die geplante Bebauung des Grundstücks durch die Dresdenbau GmbH noch weit von ihrer Umsetzung entfernt.

Es ist auch fraglich, ob und in welcher Weise das Grundstück überhaupt „verwertet“ werden kann. Es liegt nicht nur im ausgewiesenen Überflutungsgebiet der Elbe, es ist just auch das am tiefsten gelegene Grundstück im Quartier – im Juni 2013 stand das Gelände bis zu 2,40m unter Wasser.

Der Stadtrat von Dresden stellte fest, dass im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung die Wohnbebauung der ufernahen Bereiche zukünftig keine politische Unterstützung erfahren wird. Dresden ist auf dem Weg, seine Politik zu ändern und dabei aus den Baufehlern anderer Kommunen zu lernen.

Wie auch immer diese politische Veränderung sich gestalten wird und was das für die Eigentümer der Grundstücke in Flutgebieten bedeuten wird.

Eins steht fest:

Auf dem Grundstück Leipziger Straße 33a werden noch lange keine Bagger rollen.

Wir glauben, dass unser eigenes Konzept einer möglichen weiteren Nutzung tragfähiger wäre, als eine voll versiegelte Wohnbebauung.

Natürlich wissen wir, dass unsere Träume an dieser Stelle Träume bleiben, solange über die endgültige Weiterverwertung der Immobilie nicht entschieden wurde.

Wäre das nicht zumindest besser, als eine leerstehende Brache, die wirklich niemandem etwas nützt?

Solange wir das Grundstück als Freiraum Elbtal nutzten, war und ist es lebendig. Keine Randale, keine weitere Vermüllung – das Gegenteil war der Fall. Es ist ein Platz für die Menschen von Dresden geworden.

Das alles könnte noch einige Jahre so sein, wenn Sie es zulassen.

Wir bitten Sie daher, von der Räumung des Grundstücks Leipziger Straße 33a zum jetzigen Zeitpunkt abzusehen.

Gern können Sie uns erreichen, wir würden uns über ein Gespräch mit Ihnen nach wie vor sehr freuen.

Unter [———–] erreichen Sie die Sprecherin des Vereins, Stephanie Schulz.

Dieses Schreiben wurde als Offener Brief an die 10 Mitglieder der Erbengemeinschaft Grumbt, an Frau Töberich (Dresdenbau GmbH) sowie an die Presse versandt.

Mit freundlichen Grüßen, der Vorstand des Freiraum Elbtal e.V..

Thomas Herold, Martin Billert, Romy Backhaus und Jesse Langley

Kontakt Freiraum Elbtal

Stephanie Schulz

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[freiraum.elbtal@gmx.net]